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Hauptkategorie: Weiterbildung

Musterberechnung - Heiratsabsicht

Zeitansatz: 2 Minuten

Fotolia FragezeichenVorgabe:

Ein Paar (beide 25 Jahre alt, sie hat einen 2-jährigen Sohn aus einer vorigen Beziehung), hat die Absicht, zusammen zu ziehen und zu heiraten. Da im Main-Taunus-Kreis der Wohnungsmarkt sehr angespannt ist, entscheiden die beiden in den Kreis Merzig-Wadern zu ziehen. Sie hat kein Einkommen, er hat ein Jobangebot in Losheim am See mit einem Einkommen von 2.000 € brutto. Mit wieviel Geld können sie insgesamt rechnen.

Auto im Wert von 7000 €, kein Vermögen.

In der Nachbarschaft zu seinem zukünftigen Arbeitsplatz können sie eine Wohnung beziehen. Die Miete für ihre 75 m² große Wohnung beträgt 414,75 €, die Nebenkosten 83,25 € und die Heizkosten 122,25 € - insgesamt also 620,25 €. 

Die Wohnung liegt im Merzig-Wadern-Kreis.

Frage:

Sie haben gehört, dass sie durch die Heirat zu einer Bedarfsgemeinschaft werden. Bekommen sie Unterstützung - wenn ja, welche und in welcher Höhe?

 

Vorgehensweise:

Grundsätzliche Vorbetrachtung:

Da die beiden heiraten wollen, spricht dies für das Bestehen einer Bedarfsgemeinschaft. Durch die Heirat verändert sich aber auch die Steuer - das Einkommen wird wohl nach Splitting versteuert. Dadurch steht dann ein höheres Nettogehalt zur Verfügung, diese Erhöhung wird aber in gleichem Umfang mit einer Reduzierung der ergänzenden Leistung kompensiert, insofern ist die Heirat auf den ersten Blick neutral zu bewerten.

Möglicherweise ergibt sich aber ein anderer Aspekt: Das höhere Gehalt könnte unter Umständen dazu führen, dass statt ergänzender Leistung des Jobcenters der Bedarf durch Kinderzuschlag und Wohngeld gedeckt sein könnte.

Den Unterhaltsvorschuss gibt es nur für ledige Alleinerziehende - im Falle einer Heirat würde dieser also wegfallen.

Das Paar entscheidet sich für die Variante: Bedarfsgemeinschaft und nur dann heiraten, wenn es sich lohnt

  1. Da die Maske im Vordergrund bleibt, können Sie durch "Hin- und Herschalten" der Steuertabelle direkt die Veränderung sehen
  2. Im Bereich Sekundäreinkommen steht eine staatliche Unterstützung von 105,08 €
    Um den Betrag von 105,08 € zu verstehen, klicken Sie auf den grauen Button neben dem Betrag.
    1. Es öffnet sich die Tabelle Gesamtbedarf
  3. Für die Betrachtung nach Eheschließung aktivieren Sie den Button Splittingtabelle
    Sie sehen zwei Varianten - Wohngeld und Sekundärgehalt
    1. Wohngeld nach Eheschließung
      1.583,16 € Nettogehalt
         194,00 € Kindergeld
         170,00 € Kinderzuschlag
          75,00 € Wohngeld
      2.022,16 € gesamt verfügbar nach Eheschließung
    2. Sekundärgehalt (Hartz IV) nach Eheschließung
      1.583,16 € Nettogehalt
         194,00 € Kindergeld
         161,09 € Sekundärgehalt (ergänzende Leistung)
      1.938,25 € gesamt verfügbar nach Eheschließung
  4. Um zuerst die Variante vor Eheschließung zu sehen, lassen Sie die Einstellung auf Grundtabelle.
    Sie sehen zwei Varianten - Wohngeld und Sekundärgehalt.
    1. Wohngeld vor Eheschließung
      1.368,23 € Nettogehalt (in Hessen war es um 3,00 € höher)
        194,00 € Kindergeld
         75,00 € Wohngeld
      1.637,23 € gesamt verfügbar
    2. Sekundärgehalt (Hartz IV ) vor Eheschließung
      1.368,23 € Nettogehalt
        194,00 € Kindergeld
        376,02 € Sekundärgehalt (ergänzende Leistung)
      1.938,25 € gesamt verfügbar vor Eheschließung
  5. Beim weiterklicken erscheint der Hinweis über Unterhaltsvorschuss - den können Sie aktivieren oder auch nicht.
    1. Wir entscheiden uns hier gegen den Unterhaltsvorschuss, weil der nur für Ledige Eltern bezahlt würde, wir aber von einer Eheschließung ausgehen
  6. Sie klicken den Reiter Kind(er) an und geben das Kind mit 2 Jahren ein.
    1. als angemessene Kosten der Unterkunft wird ein Betrag von 620,25 € angezeigt.
  7. Sie geben zweite Person mit Alter 25 ein.
  8. Sie öffnen die Eingabemaske und tragen bei erster Person das Alter 25 ein und bei Bruttogehalt 2.000 €.
    1. Sie erkennen, dass das höhere Nettogehalt durch eine geringere ergänzende Leistung neutralisiert wird

Fotolia Buch

 

Antwort:

Wissen - Die Wohnung ist von der Größe her angemessen, von den Kosten her liegt sie im Rahmen der vom Jobcenter anerkannten Kosten.

GBSim/Wissen - Im Merzig-Wadern-Kreis wird für eine 75 m² große Wohnung üblicherweise ein Betrag von 620,25 € als angemessen angenommen. 

GBSim/Wissen - Die Betrachtung vor und nach der Heirat verhält sich bei der ergänzenden Leistung neutral.
Der Grund: Durch die Anwendung der Splittingtabelle erhöht sich das Nettogehalt, die Abzugsbeträge werden aber aus dem (bei Bedarfsgemeinschaften mit minderjährigem Kind) auf 1.500 € begrenzten Bruttogehalt abgeleitet. Das höhere Nettogehalt entlastet somit nicht die Familie, sondern lediglich das Jobcenter.

GBSim/Wissen - Kinderzuschlag plus Wohngeld kann die Bedürftigkeit aufheben und stellt somit eine sinnvolle Alternative zur ergänzenden Leistung des Jobcenters dar. Genau hier ist aber die Nettobetrachtung von besonderer Bedeutung, weil sie das verfügbare Einkommen und somit den Betrag, durch den die Bedürftigkeit eben nicht mehr besteht, verändert.

In unserem Beispiel zeigt sich deutlich, dass das Gegenüberstellen der zwei Varianten neue Erkenntnisse bieten kann.

Achten Sie bitte auf die nächste Variante dieser Berechnung!