Mythos 1:

AJ denkt JoomlaWer wirklich arbeiten will, findet auch Arbeit!

Mit diesem Totschlagargument wird dem Arbeitslosen seine Unfähigkeit plakativ vor Augen gehalten.

Und - tatsächlich - wenn er sich in seiner Umgebung herumschaut: (Fast) alle haben Arbeit, nur er nicht!

Versuchen Sie die Situation mit der Parkplatzsuche an einem Samstag in der Innenstadt zu vergleichen:

Haben Sie an einem Samstag in der Innenstadt schon mal erfolglos einen Parkplatz gesucht?

Dort haben offensichtlich alle, die da stehen, einen Parkplatz gefunden, nur Sie wieder mal nicht!

Allerdings - hier ist Ihnen klar - das ist nicht die Frage Ihrer Fähigkeit oder Fertigkeit, sondern schlichtweg ein Bewirtschaftungs- bzw. eine Ressourcenproblem:

Wenn es in einer Stadt nur 1000 Parkplätze gibt, Sie aber der 1001. Besucher der Stadt sind, ist für Sie und alle die nach Ihnen kommen, logischerweise kein Parkplatz mehr verfügbar.

Wären Sie als 1000. Besucher eingetroffen, hätten Sie genau einen Parkplatz zur Auswahl gehabt.

Jeder kann Arbeit finden ...

Ja - diese Aussage kann man vom Grundsatz her stehen lassen, wenn man sie konsequent zu Ende führt:

... aber nicht Alle!

Wie die Parkplätze sind auch die Arbeitsplätze rationiert:

Auch ein Ressourcenproblem: Wir haben mehr arbeitsfähige Menschen als es Arbeitsplätze gibt.

Im März 2017 standen - wieder einmal - 2.662.000 Arbeitsuchende 692.000 gemeldeten Arbeitsplätzen gegenüber (Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland- Herausgeber ist die Abteilung Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg). Dass im gleichen Zeitraum in der Jobbörse der Bundesagentur irrtümlich 1.3 Millionen offener Stellen veröffentlicht werden - also doppelt so viel wie die hauseigenen Statistiker ermittelt haben - darf dann wohl als arbeitsmarktstrategische alternative Wahrheit interpretiert werden.

Unter der Annahme, dass jede Stelle für jeden Arbeitsuchenden passen würde, bedeutet dies, dass nach "Verteilung" der gemeldeten Stellen genau 1.970.000 Menschen ohne Arbeit bleiben werden - was auch immer sie anstellen.

Daran ändert dann auch nichts, dass Sie einer derjenigen sind, der eine Stelle bekommen hat - im selben Atemzug hat ein anderer Mensch somit (wie beim Parkplatz) keine Chance mehr, eine Stelle zu bekommen.

1.970.000 Menschen ist statistisch Fakt - die Frage lautet nur: Wer gehört zu diesen rund 2 Millionen ohne Arbeit?

Warum und für wen ist es wichtig, dass die Arbeitslosen ein schlechtes Gewissen haben?

Arbeitgeber: Wer ein schlechtes Gewissen hat, wird nachdem er dann doch wieder mal eine Stelle bekommen hat, ein treuer und willfähiger Mitarbeiter bleiben: Seine Erfahrungen aus der Zeit der Arbeitslosigkeit, die er partout nicht nochmal machen will, führen zu einem angepassten und unauffälligen Mitarbeiter, der weder ihm zustehende Rechte noch verbesserte Zahlungen einfordert.

Staat: Wer arbeitslos ist, fühlt sich klein und unbedeutend und positioniert sich nicht gegen den Staat mit der Forderung nach einem Arbeitsplatz.

Die Bevölkerung: Wer mit seinem beruflichen Leben unzufrieden ist, wer mit seiner Entlohnung nicht einverstanden ist, kann sich selbst damit beruhigen, dass er diese Situation nur erträgt, um sich und seine Lieben nicht der Notsituation Arbeitslosigkeit auszusetzen.

Insofern erfüllt der Arbeitslose - noch mehr der Langzeitarbeitslose - die Funktion eines Regulativs, das dafür sorgt, dass man einen Schuldigen ausgemacht hat, der auf Kosten der Fleißigen den Staat missbraucht. Somit dient er der Sozialhygiene.

Befreien Sie Ihren Arbeitsuchenden von seiner Last!

Damit Ihr Arbeitsuchender bei seinem Bewerbungsgespräch selbstbewusst und authentisch auftreten kann, müssen Sie ihm dies Wertschätzung erst wieder zurückgeben. Also müssen Sie zuerst einmal das quantitative Problem seiner Situation aufzeigen und ihm geeignete Alternativen als Zwischenschritte anbieten, damit er gleitend dort seinen Platz findet, den er für sich wünscht.

Werben Sie beim Arbeitgeber für Ihren Arbeitsuchenden!

Arbeitgeber sind strukturell Kämpfer- bzw. Siegertypen: Scheitern stellt für sie keine Option dar!

Aus diesem Wesenszug heraus empfinden sie keine große Sympathie für Langzeitarbeitslose, die - nach Meinung eines erfolgsverwöhnten Kämpfers - ihre Situation nicht ausreichend selbst bekämpft haben.

Wenn auch die Arbeitgeber erkennen, dass per Definition immer eine bestimmte Menge an Menschen keine Chance auf einen Arbeitsplatz hat, sind sie eher bereit, sich mit der Person, die hinter diesem Schicksal steht, zu befassen.

Adalbert Jablonski
Project Coordinator

 

   

Arbeitsmarkt in Zahlen  

   
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