Der Mindestlohn ist auch in der Friseurbranche eingetroffen!

AJ denkt JoomlaIm Friseurhandwerk arbeiten laut Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks ca. 260.000 Menschen - die könnten sich darüber freuen. 

Abgesehen davon, dass 8,50 € nicht wirklich viel Geld ist - 8,50 € sagt nicht aus, ob man davon leben kann. 8,50 € ist der Gegenwert für eine anerkannte Arbeitsstunde und genau da fängt das Problem an:

Monatslohn = Stundenzahl x Stundenlohn

Betriebe, die die ganze Zeit bisher nur 1.000 € Monatslohn gezahlt hatten, wollen oder können nicht von heute auf morgen einfach mehr bezahlen. Hier wird mit kreativen Möglichkeiten versucht, die Stundenzahl herunterzurechnen. Als Möglichkeiten bietet sich z. B. an, die Stundenzahl zu reduzieren und einen Großteil des Personals nur noch zu den Kernzeiten einzusetzen, ein anderes Zeitmodell war, nur die Zeit anzurechnen, in der ein Kunde auf dem Stuhl sitzt - Vor- und Nacharbeiten werden somit nicht mehr als bezahlte Arbeitszeit gewertet.

Klar könnten die Mitarbeiter klagen, aber ein sicherer Arbeitsplatz - selbst bei einer unfairen Bezahlung - ist wertvoller als gar kein Arbeitsplatz.

1000 brutto

1.000 € : 8,50 € = 27 Stunden-Woche

Arbeitet das Personal also nachgewiesen nur 27 Stunden pro Woche, ist bei einer Zahlung von 1.000 € monatlich dem Mindestlohngesetz Genüge geleistet.

Kann man mit 1.000 € brutto denn auch leben?

Diese Frage kann man mit einem klaren Nein beantworten. Gerade in der Friseurbranche ist der Anteil an Schwarzarbeitern sehr hoch, bei genauer Betrachtung muss man fast sogar ein sympathisches Verständnis entwickeln.

Sekundärgehalt statt illegaler Schwarzarbeit

Der Gesetzgeber hatte bei der Einführung der Agenda 2010 zwei wesentliche Ziele im Auge:

  • Wer aus welchen Gründen auch immer keine Arbeit bekommt, soll trotzdem ein menschenwürdiges Leben führen können.
  • Wer arbeitet, muss mehr Geld haben als jemand in vergleichbarer Situation, der nicht arbeitet.

Genau hier greift das Sekundärgehalt und sorgt für einen Ausgleich:

Wer auf Schwarzarbeit verzichtet und beispielsweise eine Warmmiete von angenommenen 365 € zahlen muss, bekäme auf Antrag 257,-- € vom Staat, somit stünden ihm netto 1.044 € zur Verfügung.

Ein Hartz IV-Empfänger mit vergleichbarer Miete hätte nur 764,-- € zur Verfügung, durch den Ausgleich ist der Arbeitnehmer also um 280,-- € monatlich besser gestellt.

Ich will keinesfalls eine fehlerhafte Stundenberechnung gut heißen, habe aber volles Verständnis für diejenige, die Angst hat, ihren Job zu verlieren.

Gerade in einem Arbeitsverhältnis "mit Familienanschluss" scheuen sich Mitarbeiter erfahrungsgemäß, ihre Rechte massiv durchzusetzen.

Adalbert Jablonski
Project Coordinator

 

 

   
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