ajopenbcFür den Einsatz des GBSim-Moduls spielt es letztendliche keine wirkliche Rolle, ob es sich um eine kurze oder lange Arbeitslosigkeit handelt. Verschiedene Erfahrungswerte mit den unterschiedlichen Gruppen zeigen aber, dass gelegentlich doch fein differenziert werden muss.

Langzeitarbeitslose (LZA) sind Arbeitslose - nur etwas spezieller!

Mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit gestaltet sich die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt immer schwieriger. Zu Beginn sind die Arbeitslosen noch guter Dinge, dass sie schnell wieder in Arbeit kommen - mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit und den davor liegenden negativen Erfahrungen im Bewerbungsverhalten sinkt das Selbstvertrauen.

Arbeitgeber haben kaum Vertrauen in LZA

Wer noch nie selbst in der Situation Arbeitslosigkeit war, hat kein klares Bild über die Hintergründe. Aus persönlich erlebten Erfahrungen neigt er dazu, seine aktuelle Position einfach nur seinem Willen zuzuordnen - mit der fatalen Folge, dass die Langzeitarbeitslosigkeit dem Umstand zugerechnet wird, "dass die ja wahrscheinlich gar nicht richtig wollen...".

Um so wichtiger wird es deshalb für die Akteure des Arbeitsmarktes, LZA zügig in Arbeit zu bringen.

Hier klafft die Schere auseinander - in der Bemühung, LZA in Arbeit zu bringen, und dem Wissen, dass viele Arbeitgeber kein wirkliches Vertrauen in die Arbeitsfähigkeit und den -willen der Arbeitsuchenden haben, vermittelt man gezielt in die Branchen mit hoher Fluktuation (speziell auch Zeitarbeit). Gerade dort finden häufiger Wechsel statt, weil hier nicht der Mensch an sich betrachtet wird, sondern lediglich dessen pure Arbeitsleistung - und genau dort sind LZA überwiegend fehl am Platz.

Das angeknackste Selbstvertrauen verträgt kaum weitere Niederlagen

Wenn Sie mit LZA arbeiten und deren Argumentationen aufmerksam beachten, stellen Sie häufg fest, dass diese Menschen erfolgreich Strategien etabliert haben, sich gegen das Scheitern zu schützen - schlimmstenfalls sogar so weit, dass Vermittlungsbemühungen offen oder auch latent boykottiert werden. 

Speziell bei Langzeitarbeitslosen halten wir es aus unserer Erfahrung heraus für immens wichtig, dieses Selbstvertrauen wieder aufzubauen - und dazu gibt es nichts besseres als den persönlichen Erfolg.

Wer diesen Menschen über das Hinzuverdienst-Modell aufzeigt, dass sich auch Arbeit in geringem Umfang bereits lohnen kann, verbessert damit nicht nur die finanzielle Situation der Bedarfsgemeinschaft, sondern auch deren Selbstwert.

Ergänzende Leistung zeugt von geringerer Bedürftigkeit

Auch wenn die Lebensführung faktisch immer noch des Zusammenspiels mit den Jobcenter bedarf, steigt das Selbstwertgefühl immens:

"Herr Jablonski, ich fühle mich wieder richtig gut, dass ich nun für meinen Lebensunterhalt selbst aufkomme...", sagte eine ehemalige Teilnehmerin, nachdem sie von uns vermittelt worden war. Sie arbeitete für knapp über 850,-- € brutto - dass man damit allein nicht leben kann, erklärt sich wohl von selbst.

Auch in ihrem Bekanntenkreis ist sie jetzt wieder besser angekommen - dieses positive Gefühl machte sie in ihrer Außenwirkung sympathischer.

Wer arbeitet, ist nicht arbeitslos

Wenn sich die Frau in diesem Gefühl nun bewerben wird, genießt sie automatisch auch bei ihren potenziellen Arbeitgebern ein besseres Ansehen - sie arbeitet, von daher wird ihr dann nicht unterstellt, dass sie nicht könne bzw. wolle.

Somit kann selbst die Vermittlung in Teilzeitbeschäftigung als wesentlicher Initiator auf dem Weg der Unabhängigkeit von der Alimentation durch die Jobcenter gesehen werden.

Ermutigen Sie Ihre LZA zur Arbeitsaufnahme, auch in geringerem Umfang

Die Honorierungsmodelle durch die BA sehen meist die Aufnahme in sozialversicherungspflichtige Arbeit als Mindestvoraussetzung einer finanziellen Anerkennung der Vermittlungsarbeit.

Die Vermittlung knapp über dem Minijob ist per Definition bereits eine sozialversicherungspflichtige Arbeit - insofern kann der gleitende Einstieg in die Wieder-Erwerbstätigkeit ohne Überforderung sozialpädagogisch sinnvoll begleitet werden, und trotzdem ist auch eine Honorierung der Leistung zu erzielen.

Nutzen Sie dieses Mittel, wenn für Sie erkennbar alle anderen Vermittlungsbemühungen zum Scheitern verurteilt scheinen - die Nachhaltigkeit Ihrer Vermittlung muss als oberstes Ziel angesehen werden!

Der gefühlte Erfolg, eine Tätigkeit - wenn auch nur in Teilzeit - bekommen zu haben, bewirkt mehr für das Selbstbewusstsein als gute Worte in einem Coaching.

Adalbert Jablonski
Project Coordinator

 

 

   
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