Unternehmensberater - Fachmann für Alles?

ajopenbcWer sich entschieden hat, einen Unternehmensberater zur Gründung oder Führung seines Unternehmens zu Rate zu ziehen, hat häufig schon einen längeren Denkprozess konsequent weiter verfolgt. Er hat sich davon verabschiedet, in allen Belangen des Unternehmertums hervorragende Kenntnisse zu haben und gelernt, dass es besser ist, fehlende Kenntnisse oder Erfahrungen extern hinzu zu fügen.

Der Berater selbst ist naturgemäß an einer nachhaltigen Geschäftsbeziehung über einen längeren Zeitraum interessiert. Es ist für ihn immens wichtig, folgerichtige Empfehlungen und Vorschläge zu unterbreiten, die dem Kunden das Gefühl geben, sich in den richtigen Händen zu befinden. 

Wenn ein Außenstehender so nebenbei eine Information gibt, die der Kunde eigentlich von seinem Berater erwartet hat, kann es leicht zu Irritationen kommen.

Warum hat mich mein Steuerberater darüber nicht informiert?

In diesem Bereich haben in der Vergangenheit viele Steuerberater versagt. Private Arbeitsvermittler oder auch die Bildungsträger, die an einer Vermittlung in sozialversicherungspflichtiger Arbeit interessiert sind, forcieren die Vermittlung potenziellen Minijobber (maximal 450,- € im Monatsschnitt) lieber in die Gleitzone für 451,- €.

Die Konsequenz: Minijob wird Gleitzone

Der eindeutige Vorteil, der in diesem Statuswechsel für den Unternehmer liegt, ist die Freiheit, bei Bedarf die Arbeitszeit nach oben zu erweitern. Das sklavische Festhalten an der Einkommens-Obergrenze und somit einer maximierten Arbeitszeit entfällt.

"Vorsicht, das ist dann ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis!"

Spricht der Arbeitgeber aufgrund dieser Anfrage mit seinem Steuerberater, hört er häufig diesen Satz von seinem Steuerberater und ist zuerst einmal irritiert. Dieser Satz klingt wie eine Drohung, einen ganz großen Fehler zu begehen.

"Was kostet mich das mehr?"

Hinterfragt der Arbeitgeber jetzt die Konsequenz, vertagt der Steuerberater meist die Antwort, weil er das erst einmal berechnen muss.

Bei der exakten Berechnung stellt der Steuerberater fest, dass der Arbeitgeber durch diesen Wechsel nicht mehr, sondern tatsächlich fast 35,- € weniger im Monat bezahlen muss.

(Beim Minijob kommt ein Zuschlag von 31,2 %, bei sv-pflichtiger Arbeit 23,37 % auf den Bruttolohn)

Jetzt kommt er in Erklärungsnotstand: Warum hat er seinem Kunden, der möglicherweise ganz viele Minijobber beschäftigt, diesen Vorschlag nicht von sich aus unterbreitet? Nach längerem hin- und herrechnen kommt ihm die vermeintliche Erleuchtung.

"Ihre Mitarbeiterin hätte dann weniger netto - das wollte ich verhindern."

Klingt plausibel - ist es aber in den meisten Fällen nicht. Eine Großzahl der Beschäftigten im Minijob sind "Aufstocker", d. h. sie bekommen Grundsicherung für Arbeitsuchende und bekommen alles, was über 170,- €/170,20 € netto liegt, mit der Grundsicherung verrechnet.

  Brutto Netto Grund-
sicherung
verfügbar
Minijob 450,- € 433,80 € 590,05 € 1.023,85 €
Gleitzone 451,- € 401,66 € 622,39 € 1.024,05 €
  + 1,- € - 32,14 € + 32,34 € + 0,20 €

Spätestens jetzt ist seine Reputation in Gefahr - käme jetzt noch von einem Außenstehenden die Sätze: "Ist das wirklich ein Steuerberater oder nimmt der das Geld nur für seine Buchführungsarbeiten? Ich kenne da jemand, der ist wirklich gut informiert ...", hat der Berater seinen Kunden vielleicht verloren.

Jeder dieser Rechenschritte dauert weniger als 30 Sekunden - Sie haben also viel Zeit, sich auf das Gespräch mit Ihrem Teilnehmer einzustellen.

Adalbert Jablonski
Project Coordinator

   
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