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Steuerberater - Fachberater oder nur qualifzierter Buchhalter?

ajopenbc"Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen, hat auch das Recht Steuern zu sparen."

Dieses Zitat soll einem Urteil des BGH aus dem Jahr 1965 entlehnt worden sein und ist sozusagen der Generalauftrag für die Steuerberatungs- und die Finanzdienstleistungsbranche.

Steuerberater unterhalten meist eine sehr umfassende Geschäftsbeziehung zu ihren Mandanten. Oft waren sie bereits in die Gründung des Unternehmens eingebunden und begleiten es durch alle Hochs und Tiefs des laufenden Geschäftsbetriebs. Mit zunehmender Dauer des Geschäftsbetriebs wirkt der Steuerberater immer weniger im laufenden Prozess mit, die Tätigkeit vom Berater wechselt zu dem eines Buchhalters.

Die reine Buchhaltung wird zur Brot- und Buttertätigkeit, die Besonderheit des Beraters verliert sich im Tagesgeschäft.

Natürlich kann der Mandant seinen Berater für jede Frage kontaktieren - die Beziehung ändert sich von Push zu Pull - die Aktivität geht immer häufiger vom Mandaten aus.

In dieser Phase ist die Geschäftsbeziehung empfänglich für Störungen von außen

Der Steuerberater selbst ist naturgemäß an einer nachhaltigen Geschäftsbeziehung über einen längeren Zeitraum interessiert. Es ist für ihn immens wichtig, folgerichtige Empfehlungen und Vorschläge zu unterbreiten, die dem Kunden das Gefühl geben, sich in den richtigen Händen zu befinden. 

Wenn ein Außenstehender so nebenbei eine Information gibt, die der Kunde eigentlich von seinem Berater erwartet hat, kann es leicht zu Irritationen kommen.

Warum hat mich mein Steuerberater darüber nicht informiert?

In diesem Bereich haben in der Vergangenheit viele Steuerberater versagt. Private Arbeitsvermittler oder auch die Bildungsträger, die an einer Vermittlung in sozialversicherungspflichtiger Arbeit interessiert sind, forcieren die Vermittlung potenziellen Minijobber (maximal 450,- € im Monatsschnitt) lieber in die Gleitzone für 451,- €. 

Die Konsequenz: Minijob wird Gleitzone

Der eindeutige Vorteil, der in diesem Statuswechsel für den Unternehmer liegt, ist die Freiheit, bei Bedarf die Arbeitszeit nach oben zu erweitern. Das sklavische Festhalten an der Einkommens-Obergrenze und somit einer maximierten Arbeitszeit entfällt. Was noch fällt, ist die vom Gesetzgeber speziell im § 17 Mindestlohngesetz für Minijobs geforderte Dokumentationspflicht, was den Verwaltungsaufwand deutlich reduziert.

[Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns (Mindestlohngesetz - MiLoG)
§ 17 Erstellen und Bereithalten von Dokumenten
(1) Ein Arbeitgeber, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach § 8 Absatz 1 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch oder in den in § 2a des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes genannten Wirtschaftsbereichen oder Wirtschaftszweigen beschäftigt, ist verpflichtet, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit dieser Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertages aufzuzeichnen und diese Aufzeichnungen mindestens zwei Jahre beginnend ab dem für die Aufzeichnung maßgeblichen Zeitpunkt aufzubewahren.]

"Vorsicht, das ist dann ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis!"

Spricht der Arbeitgeber aufgrund dieser Anfrage mit seinem Steuerberater, hört er häufig diesen Satz von seinem Steuerberater und ist zuerst einmal irritiert. Dieser Satz klingt wie eine Drohung, einen ganz großen Fehler zu begehen.

"Was kostet mich das mehr?"

Hinterfragt der Arbeitgeber jetzt die Konsequenz, vertagt der Steuerberater meist die Antwort, weil er das erst einmal berechnen muss.

Minijob (450,- €)

450 AG

Midijob (Gleitzone - 451,- €)

451 AG

 

Bei der exakten Berechnung stellt er fest, dass der Arbeitgeber durch diesen Wechsel nicht mehr, sondern tatsächlich fast 35,- € weniger im Monat bezahlen muss.

(Beim Minijob kommt ein Zuschlag von31,2 %, bei sv-pflichtiger Arbeit 23,37 % auf den Bruttolohn)

Jetzt kommt er in Erklärungsnotstand: Warum hat er seinem Kunden, der möglicherweise ganz viele Minijobber beschäftigt, diesen Vorschlag nicht von sich aus unterbreitet? Nach längerem hin- und herrechnen kommt ihm die vermeintliche Erleuchtung.

"Ihre Mitarbeiterin hätte dann weniger netto - das wollte ich verhindern."

Klingt plausibel - ist es aber in den meisten Fällen nicht. Eine Großzahl der Beschäftigten im Minijob sind "Aufstocker", d. h. sie bekommen Grundsicherung für Arbeitsuchende und bekommen alles, was über 170,- €/170,20 € netto liegt, mit der Grundsicherung verrechnet.

  Brutto Netto Grund-
sicherung
verfügbar
Minijob 450,- € 433,80 € 590,05 € 1.023,85 €
Gleitzone 451,- € 401,66 € 622,39 € 1.024,05 €
  + 1,- € - 32,14 € + 32,34 € + 0,20 €

Spätestens jetzt ist seine Reputation in Gefahr - käme jetzt noch von einem Außenstehenden die Sätze:

"Ist das wirklich ein Steuerberater oder nimmt der das Geld nur für seine Buchführungsarbeiten? Ich kenne da jemand, der ist wirklich gut informiert ..."

hat der Berater seinen Kunden vielleicht verloren.

Jeder dieser Rechenschritte dauert weniger als 30 Sekunden - Sie haben also viel Zeit, sich auf das Gespräch mit Ihrem Teilnehmer einzustellen.

Adalbert Jablonski
Project Coordinator

   
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